Mittwoch, 8. November 2017

Hegenbarth Sammlung Berlin


Der BBA nahm an dem Gesprächsabend "Wie klingt die Glocke heute?" im Rahmen einer Ausstellung der Hegenbarth Sammlung Berlin teil, an der Prof. Dr. Peter-André Alt, Präsident der Deutschen Schiller-Gesellschaft, Marbach, mit der Kunsthistorikerin und Literaturwissenschaftlerin Katja Schöppe-Carstensen über Rezeption und Aktualität dieses Klassikers der deutschen Literatur sprachen.

Freitag, 13. Oktober 2017

Leipogramme und Lautgedichte


Der Berliner Bibliophilen Abend war am Donnerstag zu Gast bei Ulrich Goerdten, der in die Oulipo (L' Ouvroir de Littérature Potentielle - franz.: „Werkstatt für Potentielle Literatur“) einführte und dabei auch eigenen Gedichte vortrug, wobei er diese künstlerische Technik auch am Beispiel einer Bachschen Fuge demonstrierte. Auch diejenigen, die ähnliche Lesungen von Ulrich Goerdten bereits erleben durften, erfuhren Interessantes zu dieser Lyrik und sogar neue Nuancen seiner Rezitation.
Ein wahrlich bibliophiler Abend in kleiner Runde bei Poesie, Wein und Gebäck, an dem auch Pirckheimer teilnahmen, die nicht im BBA Mitglied sind, für dessen Gelingen neben Ulrich Goerdten natürlich auch Dr. Susanne Rothe herzlich zu danken war.

Montag, 5. Dezember 2016

Advents-Veranstaltung

Berliner Bibliophilen Abend - Jahresgabe 2016

BERLIN UND ANDERSWO. EINE REISE.


Eine Anthologie Berliner Autoren mit Fernweh herausgegeben von Autorenforum Berlin und Berliner Bibliophilen Abend.
Diese Anthologie erscheint als gemeinsame Unternehmung des Autorenforums Berlin und des Berliner Bibliophilen Abends.
Das Autorenforum bietet Autoren eine Platt form für den kritisch-konstruktiven Austausch untereinander und hat zahlreiche literarische Karrieren angestoßen. Mehr als nur Schreibwerksta tt und Lesebühne. Und das seit 1984.
Der Berliner Bibliophilen Abend ist ein Club von Bücherfreunden, -narren und -sammlern. Seit 1905 geht es um Buchkunst und Buchkultur, um zeitgenössische Werke und historische Kostbarkeiten.
Beide Vereine prägt ihre Neugier auf die terra incognita ihrer Interessen. Diese Anthologie ist der Versuch einer Synthese.
Gestaltet von Anja Steinig (Studio F). Gedruckt in der Druckerei Spree Druck Berlin, auf Papier Woodstock Rosa 110g und Sirio Color Nero 115g von Fedrigoni. Gesetzt in verschiedenen Schni tten der GT Sectra und der Apercu. ISBN 978-3-00-055061-4

Vorzugsausgabe: 100 nummerierte Exemplare mit rosa Buchdeckel. 59 Euro
Normalausgabe: 200 Exemplare mit schwarzem Buchdeckel. 29 Euro

Dienstag, 29. März 2016

Mitgliederversammlung und Vortrag: Ulrich Goerdten - Das Buch als Symbol

19:00 Uhr

Ordentliche Mitgliederversammlung

ab ca. 19:15 Uhr 

Ulrich Goerdten - Das Buch als Symbol

Der Vortrag wird eine knappe Einführung in verschiedene Symboltheorien bringen (Ernst Cassirer, Susanne K. Langer, Sigmund Freud, Alfred Lorenzer u.a.) und das Buch sowie seine Teile unter dem Aspekt der Symbolik betrachten, wobei besonders die psychoanalytische Symboltheorie berührt wird. Das Buch soll in seinen Eigenschaften als Leib und Lebewesen, als Nahrungsmittel, als Gegenstand kleptomanischer Gelüste, als Fetisch und als anderweitiger Bedeutungsträger behandelt werden.

Montag, 22. Februar 2016

Bleilettern aus Kreuzberg erobern die Welt - Die Berthold AG und die Liebe zum Buch

Die Februarveranstaltung des Berliner – Bibliophilen – Abends mit dem Thema

Bleilettern aus Kreuzberg erobern die Welt –
Die Berthold AG und die Liebe zum Buch

führte die Mitglieder und Gäste am 22. Februar 2016 in die ehemalige Schriftgießerei „Berthold AG“, die sich im Hinterhof Gneisenaustraße / Ecke Mehringdamm bis 1993 befand. Jetzt befindet sich in den ehemaligen Fabrikräumen eine Schule für Erwachsenenbildung.
Es ging um die Geschichte dieser zeitweise wohl größten Gießerei Europas, die seit etwa 150 Jahren bestand und die natürlich durch Kriege, Wirtschaftskrisen und zuletzt durch die digitale Nutzung in der Technik des Druckes positive und negative Zeiträume zu bewältigen hatte. Anfang der 90iger Jahre wurde sie dann einfach nicht mehr gebraucht.
In der langen Geschichte dieser Fabrik konnten zusätzlich immer wieder schön gestaltete Bücher hergestellt werden - insgesamt 21 Berthold Privatdrucke - die zu Jubiläen, zur Geschichte der Fabrik Auskunft geben sollten und sicher auch zur Werbung dienten.
Das schöne Buch, das hier gedruckt wurde, war mit dem Namen Dr. Oscar Jolles (1860 - !929) eng verbunden. Jolles kam um 1900 in den Vorstand der Berthold AG, wurde später Direktor und wurde 1917 Mitglied des Berliner – Bibliophilen – Abends, damals geworben von dem Vorsitzenden Flodoard von Biedermann. Die Sammelgebiete von Jolles waren die Klassiker des Altertums, Goethe-Ausgaben und auch jüdische Bücher. Er starb 1929 und hinterließ Frau und zwei Kinder. Der Sohn, der Pianist war, konnte nach Antritt der Nazis rechtzeitig emigrieren, die Ehefrau und die Tochter wurden wegen ihres jüdischen Glaubens 1943 deportiert und ermordet. Dieser Abend des BBA sollte an die Berthold AG und ihren ehemaligen Direktor (bis 1926), seine bibliophilen Drucke und sein aktives Wirken im BBA erinnern. Einige der Druckerzeugnisse konnten anschließend besichtigt werden.
Einführende Worte zu den fast 30 Anwesenden sprach Herr Dr. Ziegler als Vorsitzender. Er gab noch Hinweise auf die nächsten Termine.

Dr. Christian Klinkenstein

Donnerstag, 21. Januar 2016

Weltreise. Chamisso - Humboldt - Forster - Ottinger

Zur Januar-Veranstaltung des Berliner Bibliophilen Abends fanden sich Mitglieder und Gäste am 21.Januar 2016 in der Staatbibliothek Potsdamer Straße ein, um sich die Ausstellung

Weltreise.
Chamisso - Humboldt - Forster - Ottinger

anzusehen. Die Führung übernahm Frau Dr. Jutta Weber.

Die Ausstellung dient der Erinnerung an die großen Reisen von Adelbert von Chamisso, Alexander von Humboldt und Reinhold Forster. Die Dokumentarfilmerin Ulrike Ottinger folgte 2014 den Spuren von Chamisso nach Kamtschatka, den Aleuten und nach Alaska. Sie filmte hier die Landschaft, die Tiere und Pflanzen und vor allem auch das Leben der Menschen, die dem Filmteam an diesen oft einsamen Orten begegnet sind.

Die Besucher treten ein in eine nachempfundene Jurte, in der an vier Seiten die Filme vorgeführt werden, davor sind im Kreis die historischen Handschriften der Staatsbibliothek ausgelegt, vereinzelt dazwischen Objekte des Museums für Naturkunde und des Botanischen Museums.

Die Ausstellung ist eindrucksvoll durch die Filme mit den großartigen Landschaften, so sieht der Besucher noch tätige Vulkane. Die Filme, zeitweise vom schaukelnden Schiff aufgenommen, vermitteln eine emotionelle Teilnahme. Auf einer anderen Leinwand werden die Menschen vorgestellt, die hier leben, wie sie heute noch oft als Nomaden leben, ihre großen Rentierherden hüten, wie sie sich kleiden, wie sie mit ihren Tieren umgehen, ihre Nahrung bereiten. Man erkennt auch ihre Bedürfnislosigkeit. Dann die Tiere hier, die auch als Nahrung für Mensch und Hund dienen, teilweise Unterwasseraufnahmen, die die Tierwelt mit vielen Fischen, Robben und großen Krebsen einfangen. Auf der vierten Leinwand der Boden der Tundra: die Pflanzen vorwiegend Kräuter mit weißen gelben und blauen Blüten, daneben Bodenstrukturen, Reste einstigen Lebens wie Wurzeln kleiner Bäume, Knochen, Felle und Federn, aber auch Hinterlassenschaften der wenigen Menschen hier wie alte zerfallende Seile und Fischernetzte, Bootsreste.

Die ausgelegten alten, originalen Handschriften belegen die notwendigen Vorbereitungen der Reisen damals, zeigen Tagebücher und Briefe, Auflistungen von Sammlungen, die immer wieder in die Heimat verschickt wurden, auch Zeichnungen von Tieren und Pflanzen und von Kunst, die den Forschern hier begegnet sind.

Die Zeit war zu kurz, um alle Eindrücke von damals und diejenigen von heute (durch die Filme) genau zu unterscheiden, was vielleicht ganz gut ist.

Dr. Christian Klinkenstein

Montag, 23. November 2015

Gerd-Josef Bötte: Zeitgenössische Künstlerbücher aus Berlin und Brandenburg aus der Künstlerbuch-Sammlung der Staatsbibliothek

Gerd-Josef Bötte, Stellvertretender Leiter der Abteilung Historische Drucke der Staatsbibliothek zu Berlin: Zeitgenössische Künstlerbücher aus Berlin und Brandenburg aus der Künstlerbuch-Sammlung der Staatsbibliothek

Montag, 19. Oktober 2015

Jutta Osterhof: Eberhard Schlotter – Norddeutsche Eindrücke

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Jutta Osterhof, Vorsitzende des Kuratoriums der Eberhard-Schlotter-Stiftung im Bomann-Museum Celle sprach über

Eberhard Schlotter – Norddeutsche Eindrücke

Nachdem uns Frau Osterhof vor zwei Jahren bereits über die illustrierten Bücher und Mappenwerke Eberhard Schlotters fachkundig und lebhaft berichtet hat, werden wir nun etwas über die prägenden Eindrücke Niedersachsens auf den Künstler hören. Menschen, Sprache und Landschaft dieser Region spiegeln sich in seinen Zeichnungen zu Werken von Wilhelm Raabe ebenso wie zu denen von Arno Schmidt und anderen „Nordlichtern“ wider. Der Vortrag fand im Raum für Kunst und Diskurs, Nemtsov & Nemtsov, Witzlebenstr. 38, 14057 Berlin, statt.
Aus gegebenem Anlass kommt an diesem Abend die Jahresgabe 2015 zur Verteilung.


Diese Jahresgabe 2015 ist ein Faksimile einer bibliophilen Mappe vom Bomann-Museum und der Stadt Celle, gestiftet Jutta Osterhof. Es enthält neben einem Text Schlotters acht Radierungen, die sich mit dem Schriftsteller Wilhelm Raabe beschäftigen. Es erschien 1991 in einer Auflage von 700 Exemplaren und wurde gedruckt bei Reinheimer, Darmstadt und bei Hoffrath Roßdorf gebunden. Der BBA-Jahresgabe liegt ein Widmungsblatt bei.

Protokoll des Abends vom 19. Oktober 2015

Der Abend stand unter dem Titel

Eberhard Schlotter – Norddeutsche Eindrücke

und fand erstmals im „Raum für Kunst“ in der Witzlebenstraße 38 statt. Es ging um den Maler, Graphiker und Illustrator Eberhard Schlotter, der 1921 in Hildesheim geboren wurde, und der sich lebenslang eine tiefe Bindung an seine Heimat bewahrte, das war die Landschaft im Osten von Niedersachsen, das waren die Menschen, die hier lebten. Es berichtete unser Mitglied Jutta Osterhof, die den Künstler persönlich gekannt hatte und jetzt Vorsitzende des Kuratoriums der „Eberhard - Schlotter – Stiftung in Celle ist.
Der Vater von Eberhard Schlotter war Bildhauer und weckte so bei seinem Sohn früh das Interesse zum Zeichnen, der nach Schulabschluss aber erst eine ganz normale Malerlehre durchmachte. Danach ging er nach München an die Kunstakademie und setzte nun zielgerichtete seine Ausbildung bei Lehrern wie Adolf Schinnerer fort. Diese Ausbildung wurde durch den Krieg unterbrochen, Eberhard Schlotter wurde verwundet und kam dann in amerikanische Gefangenschaft.
Nach dem Krieg Ansiedlung in Darmstadt, wo er von 1955 – 1957 Vorsitzender der Darmstädter – Sezession war. Hier in Darmstadt lernte Eberhard Schlotter den Schriftsteller Arno Schmidt kennen, dem er dann in Darmstadt eine Wohnung und später seinen endgültigen Wohnsitz in Bargfeld bei Celle 1958 vermittelte. 1953 besuchte Schlotter das erste Mal Spanien, wo er sich bei wiederholten Aufenthalten nach und nach ein zweites Zuhause schaffte und hier in Altea (Alicante) verstarb er auch 2014.
Die Kunst E. Schlotters orientiert sich an W. Leibl, H. Matisse, W.Heldt und Picasso, Anregungen sammelte er zusätzlich auf Reisen nach Südamerika und immer wieder auch in seiner Heimat um Celle, in Hildesheim, Göttingen und oft auch in Bargfeld. Es entstehen seine Gemälde, seine graphischen Mappenwerke und die Illustrationen zu den Büchern seines Freundes Arno Schmidt: „Tina“, „Kaff“, „Pocahontas“, auch zu Texten von Wilhelm Raabe und Hermann Löns. Frau Osterhof hatte einige seiner Werke zum Betrachten ausgelegt. Ein Werkkatalog war für 12 Euro zu erwerben.
Zur Freude der Anwesenden wurde die Jahresgabe 2015 des BBA ausgegeben: Ein Faksimile einer Mappe mit Graphiken, Erinnerungen und Reflexionen Eberhard Schlotters, die ganz seiner Heimat Niedersachsen mit Referenzen an Arno Schmidt (Faximile) gewidmet ist: „GO WEKK GO WEKK – VORBI VORBI“. Gestiftet wurde dies Werk von Frau Osterhof. Vielen Dank!

Dr. Christian Klinkenstein

Montag, 21. September 2015

Rainer Ehrt: Buchgelüste

Protokoll des Abends vom 21. September 2015

Die Buchlounge Zehlendorf war am 21. 9. 2015 Gastgeber für den Berliner – Bibliophilen – Abend. Herr Rainer Ehrt aus Kleinmachnow stellte mit seinem Vortrag unter dem Titel

Buchgelüste

als Maler und Grafiker, auch als Autor seine Arbeit bei der Gestaltung von Künstler– und Malerbüchern vor. Die Veranstaltung war mit 28 Mitgliedern und Gästen gut besucht. Nach der Begrüßung durch den Besitzer des erst seit 2015 bestehenden Buchladens, gab der Vorsitzende des BBA Herr Dr. Ziegler eine kurze Einführung und wies auf die nächsten Veranstaltungen hin.

Herr Rainer Ehrt, der seine Studienzeit als Grafiker zum Ende der achtziger Jahre beenden konnte, gründete 1993 eine eigene Edition, in der er für den Liebhaber einer schönen und dabei oft außergewöhnlichen Buchgestaltung entsprechende Werke herstellt. So wählt er dazu passende Autoren aus, gestaltet selbst das graphische Bild, nimmt ein gutes Papier, das mit einer künstlerisch gestalteten Schrift (handgezeichnet, Garamond, Didot antiqua) teilweise mit eigenen Texten passend für die jeweiligen Autoren versehen wird. Hier finden sich Brecht, Joyce, Wilde, Kafka, Lichtenberg, Rilke, St. Zweig und viele andere. Dazu kommen eigene Entwürfe von Künstlerbüchern, so der Tradition folgend ein „Totentanz“ mit 22 Holzschnitten.

Auch die grafischen Techniken sind vielgestaltig: Holzschnitt, Siebdruck, Offsetlitho, Aquatintaradierungen. Alles zusammen gefügt durch gute Buchbinder zu kleinen und großen Büchern oder Leporellos und oft in niedriger Auflage von 20 bis 50 Stück lässt gute und seltene Bücher entstehen. Auch die in Druckereien vergrößerten Auflagen liegen etwa bei 200 - 800 Exemplaren und bleiben damit selten. Die „edition ehrt“ kündigte ua. ihre Teilnahme auf der Art Brandenburg, der Art Book Berlin und der Buchmesse Leipzig an.

Der Vortrag ließ Fragen nach Absatzmöglichkeiten in der Zeit vieler elektronischer Texte und den Preisen dieser Bücher offen. Das konnte aber in der Diskussion geklärt werden, die von Herrn Ehrt ausgelegten Künstlerbücher wurden mit großem Interesse betrachtet.

Dr. Christian Klinkenstein

Montag, 15. Juni 2015

Frau Carola Pohlmann: Von der nützlichen Raupe zum schönen Schmetterling: Insektendarstellungen von der Aufklärung bis zur Neuen Sachlichkeit

Protokoll des Abends vom 15. Juni 2015
Von der nützlichen Raupe zum schönen Schmetterling: Insektendarstellungen von der Zeit der Aufklärung bis zur neuen Sachlichkeit

Das war das Thema, das Frau Carola Pohlmann aus der Kinderbuchabteilung der Staatsbibliothek am 15.06.2015 für die Mitglieder und Gäste des Berliner – Bibliophilen – Abend ausgewählt hatte. Hier ging es um die Entwicklung entomologisch geprägter Kinderliteratur, die nach und nach von den biblischen Plagen, dem Ungeziefer, dem allgemein schlechten Ruf der Insekten im Mittelalter (Ausnahme Bienen und Ameisen) zu objektiver, natürlicher und letztlich zu wissenschaftlichen Ansichten in Text und Bild führte.
Als Autor ist hier zu nennen Johann Amos Comenius aus Böhmen, eigentlich Komensky, ein berühmter Schulmann und Pädagoge, 1592 – 1671, der mit seinen Schriften, besonders mit „Orbis sensualium pictus“ für Kinder, später immer wieder durch neue Auflagen verbessert und ergänzt 1658 zu einer ersten wirklichkeitsnahen Beschreibung auch der Insekten beitrug.
Bekannt ist weiter Maria Sibylla Merian, 1647 – 1717, die Blumen und besonders auch Insekten in Wasserfarben malte, Kupfer von ihrer Reise nach Surinam selbst stach und damit die geheimnisvolle Insektenwelt dem Volk bekannter machen konnte, auch ihre Schriften werden besonders wegen der Abbildungen bis heute immer wieder verlegt. Zu nennen wären noch viele andere Autoren wie Swammerdam, Linne, Burmeister, die ein naturnahes Denken auch in der Kinderliteratur förderten. So konnte die Entwicklung der Insekten aus Unrat als falsch, die Geheimnisse der Metamorphose erklärt werden, in der Systematik die Spinnen und Krebse von den Insekten getrennt werden.
Der Mikrokosmos der Insektenwelt wurde besonders durch die kunstvollen bildlichen Darstellungen der bunten Schmetterlinge und den auffälligen Formen der Käferwelt aus ihrem rätselvollen Dasein auch den Kindern nahe gebracht. Die Pädagogen waren hier anregend tätig, waren sie doch selbst oft Sammler, Vereinsmitglieder, Leser von entomologischen Zeitschriften, wobei diese Liebhaberei um die Jahrhundertwende 1900 wohl einen Höhepunkt hatte. Gegenwärtig ist das Interesse am Sammeln von Insekten gering ausgeprägt und durch die Fotografie teilweise ersetzt worden, was den Naturschützer erfreut, weniger erfreut ihn das systematische Vorgehen gegen die so genannten Schädlinge, wobei auch andere Bereiche der Natur stärker beeinträchtigt werden.
Als ein gut zu lesendes Buch zur Entomologie sind von Ernst Jünger „Subtile Jagden“ und für den umfassender Interessierten Jean - Henri Fabres „Erinnerungen eines Insektenforschers“ zu empfehlen.

Dr. Christian Klinkenstein

Montag, 18. Mai 2015

Herr Olaf Hamann: Deutsch-Russischer Bibliotheksdialog über die Behandlung kriegbedingt verlagerter Büchersammlungen

Protokoll des Abends vom 18. Mai 2015
Der Deutsch – Russische Bibliotheksdialog zu kriegsbedingt verlagerten Büchersammlungen

Am 18. 5. 2015 trafen sich etwa 20 Mitglieder und Gäste des Berliner – Bibliophilen – Abends zu einem Vortrag von Herrn Olaf Hamann, dem Leiter der Osteuropa Abteilung der Berliner Staatsbibliothek. Bis 1945 sind durch Kriegseinwirkungen unzählige Bücher in vielen Ländern verloren gegangen. Hier ging es um die 2 Millionen Bücher aus deutschen Bibliotheken, die aus der damaligen sowjetischen Besatzungszone in die Sowjetunion verbracht worden sind. Da ein Teil von diesen Büchern aus den ehemaligen westlichen Zonen sich ebenfalls kriegsbedingt im Osten des untergegangen Deutschen Reichs befanden, wurden auch diese mit abtransportiert In der Zeit von 1955 bis 1958 wurde ein Teil dieser Sammlungen an die DDR zurück verbracht (1.5 Mill.). Der Rest ist verschollen, auch im heutigen Russland ist der Verbleib teilweise unbekannt, da von staatlichen Stellen und auch Bibliotheken wenig Interesse an diesen Büchern besteht, so findet auch keine Pflege der Bestände statt. Einzelne Funde zeigen dann leider durch Schimmel und Nässe verrottete Bücherbestände, die seit Verbringung 1945 oft in kleine Orte einfach vergessen wurden.
Nach Ende der Sowjetunion wurde 1992 von deutscher und russischer Seite ein so genannter runder Tisch gegründet, wo beide Seiten ihre Interessen ansprechen konnten. Diese Gespräche zwischen Direktoren von Bibliotheken wurden abwechselnd in Russland und Deutschland wiederholt. Leider wurde dann in Russland 1998 ein Gesetz verabschiedet, dass jegliche Rückführung von Kunstwerken verhinderte, die so genannte Beutekunst von 1945 ging in das Eigentum des Staates über. Allerdings wurden aus den inzwischen selbstständigen Ländern der Ukraine, Armenien und Georgien kleine Sammlungen wieder zurückgegeben, so auch das Archiv der Berliner Singakademie, so die Sammlung Esterhazy nach Österreich. Beide Seiten bleiben aber im Gespräch, seit 2009 findet ein Deutsch – Russischer Museumsdialog statt, wobei es nicht allein um eine Rückführung der Kunstgegenstände, sondern auch um ihre Nutzung, gegenseitige Information und Pflege geht.
Der Vorsitzende des BBA dankte dem Referenten für seine interessanten Ausführungen, für die Anwesenden waren viele Tatsachen bisher unbekannt gewesen.

Dr. Christian Klinkenstein