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Dienstag, 24. Februar 2026

Jahresempfang der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin

Heute beim Jahresempfang der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin bei einem erhellenden Vortrag von Ronen Steinke (Süddeutsche) über „Jüdisches in der deutschen Sprache“, ein Vortrag, den ich übrigens gern veröffentlicht sehen würde, danach bei Gesprächen über DAS BUCH bei Häppchen und einem und einem zweiten und vielleicht dritten Glas Wein oder Orangensaft oder Bier ...
Ein schöner Abend!
oben: Klaus Bartel, Abel Doering, Detlef und Marina Fritsche, Ninon Suckow
Klaus Bartel und Wolfgang Kaiser | Bernd Illigner (Bildmitte)

Donnerstag, 4. Dezember 2025

Berliner Bibliophiler Adventsabend


Bernd Friedrich, Abel Doering, Maria Bogdanovich, Dr. Fouquet-Plümacher, Foto: Ulrich Goerdten
Heute kam der Berliner Bibliophilen Abend traditionell bei Susanne Rothe und seinem Mitglied Ulrich Goerdten zur Adventsveranstaltung zusammen, um sich über die beglückendsten Momente im Sammlerleben 2025 auszutauschen.
Abel Doering, Maria Bogdanovich, Dr. Fouquet-Plümacher, Foto: Ulrich Goerdten
Bernd Illigner und Bernd Friedrich
Das waren z.B. für Jürgen Wilke die Zeitschrift „Der Mensch“ mit Original-Holzschnitten von Conrad Felixmüller, „Rilke zeichnet“ aus der Anderen Bibliothek und ein bemerkenswerter Flohmarktfund für Ulrich Goerdten, bei Abel Doering die Rohbögen eines nicht komplett erschienenen Pressendrucks von Brechts „Tao-te-king“, für Wilhelm Lehberger die Kassette „Typoeten“ der Officina Ludi oder seltene „Raubdrucke“ aus dem 18. Jahrhundert, die Fritz Jüttner in seine Sammlung einreihen konnte.
Manfred Funke, Fritz Jüttner, Irmtraud Jüttner, Detlef Porth
vorn: Bernd Illigner, stehend: Ulrich Goerdten
Zur letzten Veranstaltung des BBA wurde die Jahresgabe 2025 ausgereicht.
Bernd Friedrich, Maria Bogdanovich, Dr. Fouquet-Plümacher, Günter Reichl, Wilhelm Lehberger, Jürgen Wilke
Allen Teilnehmern des gestrigen Berliner Bibliophilen (Advends)abend konnten darüber hinaus von Bernd Friedrich als Gastgeschenk diese Neujahrswünsche empfangen, die Wünsche in 6Pkt. im Handsatz, gedruckt mit Lettern vom Ende des 19. Jahrhunderts aus seinem Bestand, unten links mit Blindstempel.

Samstag, 28. Juni 2025

Berliner Bücherfest 2025

2025 war zum ersten Mal auch der Berliner Bibliophilen Abend auf dem Bebel-Platz beim Berliner Bücherfest dabei.

Standbetreuung: Abel Doering

Irmtraud Jüttner

Armin Schubert zu Besuch beim BBA

Robert Grieger zu Gast beim BBA

Gisbert Amm

mit Kerstin Hommel und Frank Viehweg

Bernd Illigner bei Sarah Käsmayr

Manfred Funke

Dr. Franziska Siegler, Leiterin des Kloster Chorin

Montag, 20. Oktober 2014

Bernd Illigner - Radikale Verkleinerung des häusliche Buchbestandes, Bericht über eine schmerzliche Operation

Blick in das Hinterhof-Antiquariat, Foto © Markus Kahl
Protokoll des Abends vom 20. Oktober 2014 Radikale Verkleinerung des häuslichen Buchbestandes. Der Bericht einer schmerzlichen Operation eines Bibliophilen

Darüber sprach Herr Bernd Illigner am 20. Oktober 2014 vor den Mitgliedern und Gästen des Berliner – Bibliophilen – Abend. Wo bleibe ich mit meinen vielen Büchern, wenn ich feststelle, dass für meine Bibliothek in der neuen Wohnung kein ausreichender Platz vorhanden ist.
Eine Bestandsaufnahme hilft bei der Entscheidung, was man behalten möchte und was weg kann. Das, was man leider verkaufen muss, sollte gesichtet werden nach teuren und bibliophilen Büchern, nach Thematik, hierbei ist zu überlegen, ob die besseren Bände extra oder einzeln angeboten werden, andrerseits sinkt bei deren Herausnahme der Wert und der Umfang eines Sammelgebietes. Dann bleiben noch die weniger ansehnlichen Bücher, sie sind reichlich, keiner will sie haben. Auch die alte deutsche Frakturschrift wird zurück gewiesen, die Jüngeren können sie nicht mehr lesen. Wie entscheidet man sich am besten. Der Referent Herr Illigner erzählte hier seine Geschichte vor gespannt zuhörenden Buchfreunden, die alle meinen in ihren Bibliotheken wahre Schätze, seltene Sammlungen und wer weiß was zu besitzen. Vielleicht ist es ja auch so!
Von den zehn angeschriebenen Antiquaren meldete sich keiner, aber drei andere kamen vorbei und schauten einmal, der Verkauf blieb sowohl bei der Anzahl als auch bei den Preisen unter den Erwartungen. Bei Angeboten in den Antiquariaten direkt verwies man hier auf die Regale, wo vieles schon vorhanden war, so auch bestimmte Sachgebiete, eine Sammlung aller Auflagen von Meyers Lexikon fand dann doch einen Käufer. Die nicht so ansehnlichen Bücher konnten nur verschenkt werden, wobei auch hier sich das Interesse in Grenzen hielt. Ebenso überraschend erscheint, dass auch in der Familie, bei den Kindern keine so große Begeisterung entsteht.
Alles in allem wohl sehr frustrierend, traurig für den begeisterten Buchfreund, wobei sicher bei allen Anwesenden eine gewisse Nachdenklichkeit geweckt wurde, wenn sie an den späteren Verbleib ihrer so schönen und oft mühsam erworbenen Bestände dachten. Andrerseits denkt man dabei an die Angebote auf den Flohmärkten und den Grabbelkisten, die sich häufig vor den Antiquariaten befinden, Preise von ein bis zwei Euro sind nicht selten, bei bestimmten Mengen wird Rabatt gewährt. Sicher ist zu überlegen, ob man sich den billigen Büchern von nur einem Euro zuwendet, Herr Illigner konnte ansehnliche Exemplare vorweisen.

Dr. Christian Klinkenstein

Montag, 18. März 2013

Jörg Petzel - Die Vorrede von Jean Paul zu den Fantasiestücke(n) in Callots Manier von E.T.A. Hoffmann

Fam. Frick, K. Hawlitzki, M. Funke, J. Petzel, G. Reichl, Dr. F. Jüttner, Foto © Abel Doering

Heute trafen sich 15 Mitglieder des Berliner Bibliophilen Abend und ein Gast in der Villa Oppenheim zu ihrer Jahresversammlung. Nach einem Bericht des Vorsitzenden Bernd Illigner über die Veranstaltungen des Vorjahres und den Kassenbericht des Schatzmeisters Uwe Domke verständigten sich die Mitglieder über das Ziel der Jahresexkursion 2013, deren Inhalt in einer der künftigen Veranstaltungen festgelegt wird.
Im Anschluss refereierte Herr Jörg Petzel in einem kurzen, aber anregenden Vortrag über die Editionsgeschichte des Vorworts von Jean Paul, dessen 250. Geburtstag sich am 21. März nähert, zu den (eigentlich unter Pseudonym erschienenen) Fantasiestücke(n) in Callots Manier von E.T.A. Hoffmann und zu Hintergründen des angespannten Verhältnisses zwischen diesen beiden großen Literaten.
 
(Abel Doering)

Montag, 11. Februar 2013

Bernd Illigner - Hermann Harry Schmitz


Umschlag: Emil Preetorius 1912 ff.
Am Rosenmontag, am 13. 2. 2013 trafen sich die Mitglieder und Gäste des Berliner Bibliophilen Abends um etwas über den vom Referenten Herrn Illigner angekündigten unbekannten Schriftsteller, der seit nahezu 100 Jahren tot ist, der kein Buch geschrieben hatte, aber trotzdem verlegt wurde, zu erfahren. Das Geheimnis wurde gelüftet; es handelte sich um den Dichter, Verfasser grotesker Dialoge, Satiren, kleinen Geschichten, Vortragskünstler Hermann Harry Schmitz, den die meisten der Anwesenden wohl nicht kannten, der auch in den entsprechenden  Lexika nicht genannt wird.
SchU. und Ill. Horst Hussel, 1965
H.H. Schmitz lebte von 1880 – 1913, geboren in Düsseldorf als Sohn eines Fabrikdirektors, früh erkrankt an einer Lungenerkrankung und dadurch in der Schule nur bis zum Einjährigen fortgeschritten, bei Verdacht auf eine Tuberkulose im Süden Heilung suchend, der Vater schickt ihn nach Korsika. In die Heimat zurückgekehrt schließt er sich einem lokalen Künstlerkreis „Laetitia“ an, wo er seine kleinen Geschichten auf Zusammenkünften und Festen vortragen konnte, bekommt auch eine Zeitungskolumne, siedelt sich mit 30 Jahren in einem Treffpunkt für Literaturinteressierte an, wo auch H. Eulenberg und H.H. Ewers verkehrten, die ihn mit seinen kleinen Geschichten über Pech und Pannen des Alltags mit der neuen Technik, dem Auto, den psychischen Heilmethoden der Zeit, ermutigen weiter zu machen. 1912 erschien bei Rowohlt eine Sammlung dieser humorigen Texte aus guter alter Zeit  Bei einem erneuten Kuraufenthalt 1913 erschoss er sich. Ein Grund war nicht offensichtlich, Eulenberg: „Er überraschte sich und uns mit seinem Tod“. Herr Illigner brachte zwei Beispiele zu Gehör, wobei es unter anderem um die damals „schwer verständliche“  Technik eines gerade in Gebrauch kommenden Füllfederhalters ging, aus dem die Tinte dauernd ausläuft, bei einigen Exemplaren musste die Feder herausgeschraubt werden, und und …., ein Humor, der die etwas ältere Generation zum Schmunzeln bringt, die Jüngeren ganz „cool“ lässt.
SchU. und Ill. Horst Hussel, 1987
Im Eulenspiegelverlag erschienen 1965 eine Auswahl seiner Geschichten mit Zeichnungen von H. Hussel, auch der Diogenes Verlag brachte etwas später eine Sammlung seiner Texte heraus. Viel Beifall für den Vortragenden, der seine Begeisterung für H.H. Schmitz den Zuhörern gut rüber bringen konnte.

(Christian Klinkenstein)

Montag, 12. September 2011

Bernd Illigner - Paul Westheim und sein Kunstblatt

Am 12.September trafen sich die Freunde des Berliner Bibliophilen Abend e.V. im Antiquariat von Herrn Peter Eichler in der Sesenheimer Straße. Der Vorsitzende des BBA Herr Bernd Illigner sprach über „Paul Westheim (1886 - 1963) und sein Kunstblatt". Wer war Paul Westheim, den Namen hatten alle sicher schon einmal gehört, aber wer wusste mehr? Wer kennt ihn heute noch, der Vortragende erinnerte an den einmal bekannten Kunstschriftsteller, der seit 1917 die Zeitschrift „Das Kunstblatt" herausgab, das sich mit Architektur, Fragen der Gestaltung, mit bildender Kunst beschäftigte und damit junge Künstler bekannt machte und förderte.
Nach einer Kaufmannslehre wurde Paul Westheim Mitarbeiter der FAZ, ging dann 1906 nach Berlin, äußerte sich in seinen Beiträgen selbstbewusst zur zeitgenössischen Kunst, hatte persönlichen Kontakt zu den Künstlern, kaufte selbst auch Kunstwerke, einiges bekam er geschenkt. So wurde er zu einem Kunstsammler, wobei der Wert seiner Sammlung damals noch nicht einzuschätzen war.
Seine Monatsschrift „Das Kunstblatt" entwickelte sich seit ihrem Erscheinen zu einem der wichtigsten Zeitschriften, die sich einer Vermittlung von moderner Kunst widmete, er war beteiligt bei der Herausgabe von Büchern, war dann auch Kunstkritiker beim Rundfunk. Konflikte und Konkurrenz mit Herwarth Waiden (1878 - 1941) dem Herausgeber der Kunstschrift „Der Sturm" konnten nicht ausbleiben.
1933 musste Westheim aus einem jüdischen Elternhaus stammend, links orientiert und sich auch für eine Kunst einsetzend, die später als entartet bezeichnet wurde, das Land verlassen. Er ging nach Paris, von wo er 1940 erneut nun nach kurzer Internierung nach Mexiko fliehen musste. In Frankreich sowie in Mexiko war er weiter politisch, künstlerisch und organisatorisch als Antifaschist tätig, wird zusammen mit L. Feuchtwanger, M. Scheer, A. Seghers, E.Toller, M. Ernst und vielen anderen genannt. In Mexiko begeistert er sich für die alte mexikanische Kunst, sucht Verbindungen zu der Kunst von Orozco, Siqueiros, Rivera zu erkennen. Da er die Sprache erlernt hat, bekommt er bald Kontakt zu Zeitschriften, Museen und Künstlerkreisen, die bis zu seinem Lebensende bestehen bleiben, da er nicht wie viele andere Emigranten nach dem Krieg nach Deutschland zurückkehrte. Bei einem Besuch 1963 in Berlin verstirbt er plötzlich. Versuche an seine Sammlungen zu kommen, die er 1933 in Berlin zurück lassen musste, schlagen fehl, die Bekannte, bei der er seine Kunst zurück ließ, lebte inzwischen in den USA, der wirkliche Verbleib seiner Sammlung ist bis auf wenige Stücke nicht bekannt.
Herr Illigner zeigte mit dem Wirken Paul Westheims einen kleinen Aspekt der Entwicklung aller Künste in dieser Zeit zur „Moderne", Kunst in bis dahin unbekannten Dimensionen, die ab 1933 nach und nach diffamiert und dann verboten wurde. Die Akteure mussten verstummen, viele emigrierten, andere wurden ermordet. Der Beifall galt dem Referenten und natürlich auch dem Gastgeber.

(Christian Klinkenstein)

Montag, 14. März 2011

Bernd Illigner - Fedor von Zobeltitz

Am 14. März fand die Mitgliederversammlung des Berliner Bibliophilen Abend e.V., an der 18 Mitglieder teilnahmen, im Heimatmuseum Charlottenburg statt.
Der Vorsitzende Bernd Illigner gab einen kurzen Bericht über das Jahr 2010: „ ein buntes Jahr mit interessanten Veranstaltungen", was von den Anwesenden bestätigt wurde. Ebenfalls unter Punkt 2 wurden geplante Themen für das laufende Jahr angekündigt. Die Termine werden noch festgelegt. Einem Vorschlag, sich über das 125jährige Bestehen des Kurfürstendamms von kompetenten Autoren berichten zu lassen, wurde zugestimmt. Unter 4: Kassenbericht von Herrn Uwe Domke: 49 BBA Mitglieder, die Beitrage zahlen. Die Spenden sind zurückgegangen, aber durch Buchverkäufe und geringere Betriebskosten, u.a. der Bankgebühren, ist die Kassenlage gut, so dass evt. wieder eine Jahresgabe möglich erscheint. Nach Bericht des Kassenprüfers wurde der Vorstand entlastet. Zu 7: Zum 200. Todestag von Heinrich von Kleist wurde eine Besichtigung des neu gestalteten Kleistmuseums in Frankfurt(O) für den Juli angedacht. Wichtig ist noch der Hinweis des Vorsitzenden Referenten mit interessanten Themen für den BBA zu gewinnen.
Herr Illigner dankte abschließend den Anwesenden, so wie diese sich auch für die Arbeit des Vorstands bedankten.

Anschließend dann der angekündigte Vortrag von Herrn Bernd Illigner über Fedor von Zobeltitz.- der große Bibliophile und BBA-Gründer, wobei er sich bei den biographischen Angaben vor allem auf dessen Autobiographie „Ich hab so gern gelebt" stützte, da es wenig andere biographische Quellen gibt. Fedor v. Zobeltitz (1857-1934) wurde in Spiegelberg/Kreis Sternberg als Sohn eines Gutsbesitzers geboren, damit war sein Lebenslauf entsprechend vorgegeben. Nach erstem Unterricht mit 11 Jahren auf die Kadettenanstalt erst in Plön, dann in Berlin, ab 1873 auf die Kriegsschule, wo er Fähnrich wird und als Ulane nach Züllichau kommandiert wird. Er nimmt 1880 den Abschied und schlägt sich mit kleinen Artikeln, Glossen, Kritiken für unbedeutende Blätter durch, ist 1882 wieder in Berlin, beginnt um sich seinen Unterhalt zu verdienen Romane und Dramen zu schreiben: Triviale Themen über das Offiziersleben, Adelsfamilien, Jungmädchengeschichten und auch Ritterabenteuer, heute nicht mehr gelesen, ausreichend aber um mit den zusätzlichen Einnahmen aus dem verpachteten Gut zurechtzukommen. Durch den Freund Griesebach kommt er zur Bibliophilie, er kann etwa 100000 Bände einer Bibliothek erwerben, in der er diverse gute und wertvolle Werke findet, weitere erwirbt er in Antiquariaten als bibliophiler Sammler.
Exlibris aus der Sammlung Goerdten
1888 gründet er die Literarische Gesellschaft, 1899 die Gesellschaft der Bibliophilen, 1904 den Leipziger Bibliophilen Abend zugleich unternimmt er viele Reisen bis nach Afrika und Asien. Im Krieg 1914 ist er als Johanniter mit in Belgien, das durch den Schlieffenplan in den Krieg mit Frankreich mit einbezogen wurde.
1921 verkauft er einen Großteil seiner wertvollen Bücher, die als Reparation gedacht sind an das Deutsche Reich, die anschließende Inflation lässt das Geld wertlos werden, von Zobeltitz muss wieder von seinen schnell geschriebenen Romanen leben. 1934 stirbt er nach schwerer Krankheit in Berlin. Die eigentliche Bedeutung des Fedor von Zobeltitz liegt heute nicht in seinem schriftstellerischen Wirken, sondern in seinem Wirken um die Bibliophilie: als Sammler und als Gründer bibliophiler Gesellschaften, auch des BBA, dessen erster Vorsitzender er war. Ein interessanter Vortrag, der Unbekanntes und Vergessenes gegenwärtig machte!

(Christian Klinkenstein)

Montag, 15. März 2010

Fritz Jüttner - ... Schweizer Freunden einst ehrenvoll anvertraut - Bibliophiles zu Goethes "Wilhelm Meister"


Am 15. März 2010 fand die Jahresmitgliederversammlung des Berliner Bibliophilen Abend im Heimatmuseum Charlottenburg statt. Der amtierende Vorstand wurde im Amt bestätigt: als Vorsitzender Herr Dipl.-Ing. Bernd Illigner, als stellv. Vorsitzender Dipl.-Germanist Jörg Petzel und als Schatzmeister Uwe Domke. Neu in den Vorstand wurde als Schhriftführer Herr Dr. Klinkenstein gewählt

Der Germanist und Bibliophile Dr. Fritz Jüttner bot anschließend einen Vortrag mit dem zunächst rätselhaften Titel "Schweizer Freunden einst ehrenvoll anvertraut... - Bibliophiles zu Goethes "Wilhelm Meister". Ein Glückwunsch zur Jubelfeier der Universität Berlin Die Beschäftigung des Referenten mit Goethes "Wilhelm Meister"-Dichtungen geht bis in seine Schulzeit zurück. Der Roman "Wilhelm Meisters Lehrjahre" in der Ausgabe des Aufbau Verlages wurde ihm 1952 als Auszeichnung zum Abschluss der Grundschule vom Rat des Kreises Senftenberg geschenkt.
Seitdem hat ihn das Werk beschäftigt. Er sammelte alle wesentlichen Ausgaben der "Wilhelm Meister"- Dichtungen und konnte so seine Ausführungen durch Exemplare aus eigener Sammlung illustrieren:

"Wilhelm Meisters Lehrjahre" erschienen im ersten Druck 1795 - 1796 in den Bänden 3 bis 6 von Goethes "Neuen Schriften" bei Unger in Berlin in der berühmten Unger-Fraktur. Jüttners Sammlung enthält alle drei bei Hagen genannten Drucke N, N l und N2 und auch - wie äußerst selten - sämtliche beigefügten Vertonungen von J. F. Reichardt, dazu den gleichzeitigen Separatdruck mit Frankfurt und Leipzig als angegebenen Erscheinungsorten. Als weitere wichtige Drucke des Werks zu Goethes Lebzeiten wurden die entsprechenden Bände der Cotta-Werkausgaben 1806 und 1816 und der Ausgabe letzter Hand im Taschenformat und im Grossoktav - mit Illustrationen von J.H. Ramberg - vorgestellt.

"Wilhelm Meister's Wanderjahre" erschienen ein Vierteljahrhundert später (Erstdruck 1821,wesentlich verändert dann in der Ausgabe letzter Hand ,Band 21 bis 23). Von den späteren Ausgaben zeigte der Referent den 2. Band der von Eckermann besorgten Quartausgabe von 1837 , der den ''Wanderjahre"'-Text erstmals in der bis heute maßgeblichen Form enthält

"Wilhelm Meisters theatralische Sendung" , der erste "Wilhelm Meister"-Text, Urform der ersten Teile der "Lehrjahre" (daher die spätere Kurzbezeichnung "Ur-Meister"), entstanden zwischen 1777 und 1785, blieb in Goethes Zeit ungedruckt, wurde in der Entstehungsphase vom Dichter aber in Abschriften an Freunde versandt, so auch an seine Zürcher Freundin Barbara Schultheß. Diese fertigte gemeinsam mit ihrer Tochter vor Rücksendung der Goethe-Zuschrift eine Abschrift an. Erst 1910 wurde die Schultheßsche Abschrift - das einzige Exemplar, in dem Goethes Text noch existiert -vonGustav Billeter wiederentdeckt.Er veröffentlichte erste Auszüge und überliess dann den sensationellen Fund dem in Bern wirkenden Germanisten Harry Maync,der den vollständigen Text -"Schweizer Freunden einst ehrenvoll anvertraut" - angemessen in einer Prachtausgabe in Quart und einer Oktavausgabe 1911 bei der Cottäschen Buchhandlung Nachfolger herausbrachte .Die Quart-Prachtausgabe wurde der Universität Berlin zu ihrer Hundertjahrfeier 1910 von der Universtät Bern und dem Berliner Rektor Erich Schmidt (dem berühmten Germanisten, der 1887 den "Urfaust" entdeckt und publiziert hatte) von Harry Maync gewidmet. Zur Jubiläumsfeier lag der Band allerdings noch nicht vor, und so wurde zunächst ein eigens hergestellter prächtiger Vorabdruck der Anfangskapitel des "UrMeister" überreicht.

Der Referent konnte sowohl ein Exemplar der Quart-Prachtausgabe (mit Exlibris des Leipziger Germanisten Albert Köster) als auch ein Exemplar des nur in wenigen Exemplaren existierenden Geschenk-Druckes von 1910 aus eigener Sammlung den ehrfurchtsvoll staunenden Bibliophilen vorzeigen.So war der Vortrag eine würdige Erinnerung an die Hundertjahrfeier der Alma Mater Berolinensis und an ihren grossen Gelehrten Erich Schmidt und damit ein Glückwunsch zum zweihundertjährigem Bestehen, das die Humboldt-Universität - über Jahre Arbeitsstätte des Referenten-in diesem Jahr feiert.

(Bernd Illigner, unter Verwendung von Aufzeichnungen des Referenten)